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Pressemitteilung vom 28. Januar 2014

Im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Kranzniederlegung am Gedenkstein

Gedenkstunde der Belegschaft der LVR-Klinik Langenfeld

Langenfeld. Die Belegschaft der LVR-Klinik Langenfeld in Reusrath nahm den bundesweiten Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar zum Anlass, den Patientinnen und Patienten zu gedenken, die zu den Opfern gehören. Vor rund 70 Jahren war die LVR-Klinik Langenfeld (Landschaftsverband Rheinland) - damals die Rechtsvorgängerin Provinzial-, Heil- und Pflegeanstalt Galkhausen - eine sogenannte Zwischenanstalt, von der aus Patientinnen und Patienten im Rahmen der NS-Euthanasie Hitlers in die frühere Tötungsanstalt Hadamar transportiert und vergast wurden.

Heute gedachten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der LVR-Klinik der Opfer im Rahmen einer Gedenkstunde. Der Klinikvorstand, der Personalrat sowie die Seelsorger der Klinik trugen im Rahmen einer Lesung in verschiedenen Rollen aus Briefen von Angehörigen vor, die in den Jahren nach Ende des Regimes nach Informationen über ihre ermordeten Angehörigen suchten.

In der Summe wurden in der Zeit von April bis August 1941 870 Kranke - 472 Männer sowie 398 Frauen - von Galkhausen nach Hadamar zur Tötung verlegt; davon kamen 502 Kranke aus anderen Anstalten. Insgesamt waren 409 Galkhausener Patienten sowie 997 Patienten aus anderen rheinischen Anstalten zur Weiterverlegung nach Hadamar vorgesehen. Als der Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen, ab 3. August 1941 in seinen Predigten die Euthanasie offen zur Sprache und Anzeige brachte, ordnete Hitler jedoch am 24. August 1941 die Einstellung der sogenannten "T4-Aktion" an.

Damit war das Morden von psychisch Kranken und Behinderten jedoch nicht beendet. Es begann das, was später als "wilde Euthanasie" etikettiert wurde, wobei in dieser zweiten Phase der Vernichtung mehr Kranke umgebracht wurden als in der ersten. Vor allem im Jahr 1943 erfolgen massenhaft Verlegungen in die Ostgebiete. Allein aus der Anstalt Galkhausen wurden annähernd 1500 Kranke nach Meseritz-Obrawalde, Tiegenhof und andere Anstalten im Osten verlegt, von denen nahezu niemand überlebt hat.

Zum Abschluss der Gedenkstunde bat der Vorstand alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die zum Teil in Begleitung von Patientinnen und Patienten kamen, zu dem Gedenkstein der Klinik, der für die Opfer der Hadamar-Transporte errichtet wurde. Bei einer Verlesung von Namen einer Transportliste stellten die die Schülerinnen und Schüler der Gesundheits- und Krankenpflegeschule Kerzen für die Opfer an den Gedenkstein. Holger Höhmann, Vorsitzender des Klinikvorstands, beschloss die Veranstaltung mit folgenden Worten: "Scham und Trauer sind uns eine Mahnung, jeden Menschen zu achten, möge er noch so schwierig, eigensinnig oder störend sein. Auch wir sind nicht frei von abwertenden Vorurteilen und Stigmatisierung. Daher müssen wir sensibel und aufmerksam jeder Form von Abwertung oder gesellschaftlicher Ausgrenzung entschlossen entgegen treten. Wir müssen Selbstkritik und Zivilcourage in unseren Einrichtungen stärken. Wir müssen unseren Patientinnen und Patienten und ihren Angehörigen offen und solidarisch begegnen. Die Psychiatrie muss aus ihrem Versagen in der Vergangenheit lernen. Wir müssen das lernen. Nicht nur an diesem Gedenktag. Jeden Tag."